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Executive Coaching als Prävention von Suizid an der Spitze?

Einsamkeit an der Spitze

Executive Coaching hat den Ruf überwunden, nur etwas für Versager zu sein. Als Sparring-Partnerschaft gehört es vielmehr zu den essentiellen Reflexions- und Motivationsmethoden an der Spitze. Coaching stellt körperliche, mentale und soziale Gesundheit sicher.

Zwei Suizide an der Spitze, von Carsten Schloter, CEO der Swisscom, und kurz darauf von Pierre Wauthier, CFO der Zurich Insurance Group, bewegten mich dazu, das Thema des Führungskräfte-Coachings für Spitzenleute noch intensiver zu verfolgen. Viele Manager, respektive deren Assistentinnen, waren nach diesen genannten Suiziden aufgewühlt und ersuchten um Unterstützung. Auch Vertreter der Presse forderten Interviews mit Experten, weil die Ratlosigkeit groß war. Besonders bei Wauthier weist übrigens Vieles darauf hin, dass berufliche Belastung und Druck aus dem Aufsichtsgremium eine maßgebliche Rolle bei seinem Entscheid spielten. 2014 gingen mindestens vier weitere Top-Executives in den Freitod, darunter William Broeksmit (Deutsche Bank) in London und Karl Slym (Tata Motors) in Bangkok. Es ist eine erschütternde Realität, dass der Suizid dieser bekannten Persönlichkeiten nur die Spitze des Eisbergs ist. Denn an der Spitze und an der Macht zu sein bedeutet für die meisten CEOs auch Einsamkeit und Isolation.

Seit Jahrzehnten zeigen Studien, dass die Organisationsspitze oft weit weg von der betrieblichen Realität operiert. Hauptgrund dafür ist das Fehlen von ehrlichem Feedback und eine grosse Masse an beschönigten Berichten. Deshalb ist es nicht verblüffend, dass eine Studie der Stanford Graduate School of Business über das Executive Coaching vom Juli 2013 zeigt, dass ein gewaltiger Bedarf an persönlicher Begleitung an der Organisationsspitze gemeldet wird. Und, wie die eingangs erwähnten Fälle leider eindrücklich zeigen, können die Folgen von Nichtstun und Nichthandeln fatal sein.

Wo stehen wir?

In den USA hat sich in den letzten Jahrzehnten persönliches Coaching als normales Instrument für Führungskräfte an der Spitze durchgesetzt. Der New Yorker geht sogar regelmäßig zum Psychoanalytiker. In Europa, aber auch in Asien, wird die Unterstützung von Top Executives immer noch als in Defiziten und Problemen begründet wahrgenommen. „Wer das braucht, tickt nicht ganz richtig.“ Was im Sport vielerorts gewünscht wird, scheint in den Betrieben noch zu warten. Auf europäischem Boden bewegt man sich gerade erst weg von einer eher problem- und defizitorientierten Wahrnehmung des Coachings als Reparaturservice  hin zu einer ressourcen- und potenzialorientierten Sichtweise, bei der gerade Spitzenleute einen Berater an ihrer Seite haben. Dieser fungiert dann meist diskret und bietet einen neutralen Raum für respektvolle und wertschätzende Gespräche.

Ein persönlicher Sparringspartner in Form eines Beraters oder Coachs ist enorm hilfreich. Gerade Spitzenmanager wie die eingangs erwähnten litten unter einem Mangel an Feedback und sozialen Kontakten, die in ehrlicher Form die eigene Wirkung zurückspiegelten. Hier spielt Coaching eine zentrale Rolle zur Identifikation von blinden Flecken und beim Wiedererlangen des Zugangs zu den eigenen Emotionen und den persönlichen Stärken.

Vom Hochleistungssport abgeschaut

Fürs Coaching an der Spitze eignet sich besonders der Vergleich mit dem Coach von Spitzenathleten. Aus diesem Bereich kam ja die Funktion des Beraters und Begleiters ursprünglich einmal. Allerdings kam dann beim Transfer in die Unternehmenswelt offenbar irgendjemand auf die Idee, es müsse hierbei um das „Entledigen“ von Schwächen und Defiziten gehen, statt um das Fördern und Weiterentwickeln von Stärken und Potenzialen.

Ursprünglich kommt der Begriff „Coach“ vom Bereden persönlicher und beruflicher Themen mit Freunden, Familienmitgliedern, engen Vertrauten aus dem geschäftlichen Umfeld oder sogar mit einem Geistlichen. Diese Personen können natürlich immer noch eine ausgezeichnete Wahl sein, sofern man die Möglichkeit und den Zugang dazu hat. Allerdings, wie offen wagen diese Menschen zu reden? Noch weiter zurück, vertrauten Könige oft ihren Hofnarren – den einzigen Menschen mit der legitimen Erlaubnis, ihre Majestät mit der Wahrheit zu konfrontieren. Menschen waren also immer auf der Suche nach einem Gesprächspartner, der nicht nur zuhörte, sondern auch offen und ehrlich Feedback gab.

Oft scheinen Führungskräfte an der Spitze die Mädchen für alle und alles zu sein: Die gesamte Verantwortung liegt bei ihnen, doch auch die Abgeschiedenheit. Mit zunehmenden technischen Möglichkeiten der Vernetzung und Kommunikation, mit der Zunahme sogenannter „Freunde“ in der virtuellen Welt und der Möglichkeit auf Millionen von Datenblöcken zuzugreifen ohne mit jemandem zu reden, kann eine wachsende Isolation und Vereinsamung einher gehen, weil der echte Dialog mit all seinen Emotionen dabei auf der Strecke bleibt. Mit dem Aufstieg in der Firmenhierarchie kann diese Isolation sogar noch zunehmen – mit den oben dargestellten Resulaten. Dabei ist es besonders für Führungskräfte an der Spitze eine absolute Pflicht, sich regelmäßig auszutauschen, Ängste auszusprechen und mögliche Lösungswege zu diskutieren.

Einfach nur reden als Prävention von Suizid

Es gibt sogar durchaus Klienten auf Top-Management-Ebene, die mit einem Coach an ihrer Seite gar keine bestimmte Zielsetzung verfolgen, sondern einfach nur den regelmäßigen Raum für strukturierte, ehrliche, offene und vertrauensvolle Gespräche enorm schätzen. Die Anforderungen an einen Executive Consultant verlangen heute mehr, als „nur“ entweder die klassische Berater-, Coaching- oder Trainingsrolle. Heute ist jede dieser Rollen gefordert, damit man einen echten Mehrwert darstellen kann.

Wie genau eine solche Sparringpartnerschaft gestaltet werden kann, werde ich später darstellen.

Konklusion

Executive Consulting ist heute elementar für Führungskräfte, um den Anforderungen an die Position gewachsen zu sein. Es ist auch eine ideale Prävention. Allerdings klafft noch eine Lücke zwischen Bedarf und Möglichkeiten einerseits und dem wirklich eingesetzten Coaching andererseits. Die Universität Stanford macht eine Studie über den Einsatz von Executive Coaching und kam zu folgendem Schluss: Die meisten CEOs wollen Executive Coaching. Langsam verschwindet dabei auch das Bild des Managers, der es offenbar selber nicht auf die Reihe kriegt, wenn Coaching gesucht wird und macht einem Bild des Spitzenathleten Platz, der sich die persönliche Unterstützung nicht nur leisten kann, sondern diese auch will, weil er sie als Privileg ansieht, das nicht zuletzt seine Reflexionsfähigkeit nach außen zeigt. Die Stanford Studie sagt zudem, dass nahezu zwei Drittel der befragten CEOs und fast die Hälfte der befragten Senior Executives keine externe Unterstützung bekommen, obwohl sie sehr offen dafür wären.

Gehören Sie zu den Vorreitern: Machen Sie den ersten Schritt und informieren Sie sich über die vielen Möglichkeiten von Coaching Ihrer Führungskräfte.

 

Ihr Blogger

 

Claude Ribaux

 

 

 

 

 

 

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